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Titelaufnahme

Titel
Musik und Gedächtnis bei Ernest Bloch und Leonard Bernstein : Kultursemiotische und unterrichtsdidaktische Studien zum erinnerungskulturellen Potential von Musik
AutorNiemeyer, Alexander
PrüferKeil, Werner In der Gemeinsamen Normdatei der DNB nachschlagen ; Nimczik, Ortwin In der Gemeinsamen Normdatei der DNB nachschlagen
Erschienen2015
HochschulschriftPaderborn, Univ., Diss., 2014
Anmerkung
Tag der Verteidigung: 05.12.2014
Verteidigung2014-12-05
SpracheDeutsch ; Englisch
DokumenttypDissertation
URNurn:nbn:de:hbz:466:2-17132 Persistent Identifier (URN)
Dateien
Musik und Gedächtnis bei Ernest Bloch und Leonard Bernstein [114.7 mb]
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Nachweis
Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Die interdisziplinäre Erinnerungskulturwissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten eine Fülle von Medien des kollektiven Gedächtnisses beschrieben, wobei das Medium "Musik" bislang kaum Beachtung fand. Diese Lücke versucht die vorliegende Arbeit zu schließen, indem sie das von der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Astrid Erll entwickelte kultursemiotische Modell von kollektivem Gedächtnis und Erinnerungskulturen auf Musik bzw. Musikkultur anwendet. Der Autor geht dabei von der These aus, dass musikalische ebenso wie erinnerungskulturelle Prozesse in analoger Weise nach dem Prinzip "Sinnbildung über Zeiterfahrung"(Jörn Rüsen) ablaufen und entsprechend Musik v. a. dann als ein Medium des kollektiven Gedächtnisses aufgefasst werden kann, wenn sie als künstlerisch hörbar gemachter kultureller Erinnerungsprozess inszeniert wird. Genau dies ist z. B. in zwei Kompositionen der Fall, denen in der Arbeit je eine umfangreiche Fallstudie gewidmet ist: Im Synagogaloratorium "Avodath Hakodesh" von Ernest Bloch erscheint Musik als Medium einer mythisch-rituellen (Gegen-)Gedächtnisbildung jüdischer Musik- und Erinnerungskultur; in der dritten Sinfonie "Kaddish" von Leonard Bernstein wird Musik zum expliziten Medium inner- und außermusikalischer kollektiver Gedächtnisreflexion erhoben. Ausgehend von dem in der theoretischen Grundlegung identifizierten und den Fallstudien exemplifizierten Wirkungspotential von Musik als Medium kollektiver Gedächtnisbildung und -reflexion wird abschließend der unterrichtsdidaktische Vorschlag eines erinnerungskulturerschließenden Musikunterrichts skizziert, der musikalisches Lernen immer auch als Konstruieren von (Musik-)Kultur auffasst und damit Musik als didaktisch anschauliches Medium zur Vermittlung (musik-)kultureller Gedächtnisbildung und -reflexion für Kinder und Jugendliche ansieht.

Zusammenfassung (Englisch)

During the last decades many media of collective memory have been described in interdisciplinary Culture and Memory Studies, there has however been little regard to the medium „music“. The present study is trying to close this gap by adapting a model of semiotics of remembrance cultures, originally developed by the literary and cultural scholar Astrid Erll, to music resp. music culture. By doing so the author acts on the assumption that musical as well as collective remembrance processes analogically pursue the same principle of „construction of sense via experience of time“ (Jörn Rüsen). Accordingly music can mainly then be recognized as a medium of collective memory whenever it is designed as a listenable artistically constructed process of cultural remembrance. Exactly this e.g. is the case in two compositions, which are the research subjects of two extensive case studies in the present publication: In Ernest Blochs synagogal oratorio „Avodath Hakodesh“ music appears as a medium of a mythic-ritual construction of (counter-)memory of Jewish music and remembrance culture; in Leonard Bernsteins third symphony „Kaddish“ music becomes an explicit reflective medium of musical and non-musical collective memory. In the last part of the present study the author sketches - starting out from the results of the theoretical basis and the exemplifying case studies that music possesses the potential of being a medium of collective memory construction and reflection - a proposal for teaching music in regular schools. The proposed musical education concept is assumed to be a special form of constructing culture, in which music can be seen as a didactically vivid medium of memory construction and reflection of (musical) culture for children and adolescents.