TY - THES AB - Emotionen sind im Berufsalltag einer Lehrkraft omnipräsent. Die bisherige Forschung zu Emotionen im Lehrberuf hat insbesondere das emotionale Erleben und die Emotionsregulation von Lehrkräften in Bezug auf ihre unterrichtspraktischen Tätigkeiten in den Fokus genommen, wo-bei der Schwerpunkt auf amtierenden und erfahrenen Lehrkräften liegt. Die Lehrkräftebildung in Deutschland umfasst drei Phasen: das Lehramtstudium (erste Phase), den Vorbereitungsdienst (zweite Phase) sowie die berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung (dritte Phase) (Kultusministerkonferenz, 2022). Das Lehramtsstudium vermittelt die theoretischen und fachdidaktischen Grundlagen und umfasst in Nordrhein-Westfalen ein Praxissemester, das fünf Monate dauert und erste praktische Erfahrungen im Masterstudium bietet (Ministerium für Schule und Weiterbildung, 2010). Der Vorbereitungsdienst ist praxisorientiert und konzentriert sich auf die Anwendung sowie theoriegeleitete Reflexion der Praxis (Kultusministerkonferenz, 2022). Die dritte Phase, die berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung, ist auf die kontinuierliche Weiterentwicklung und Aktualisierung der beruflichen Kompetenzen amtieren-der Lehrkräfte im Sinne des lebenslangen Lernens ausgerichtet (Kultusministerkonferenz, 2022).Die erste und zweite Phase der Lehrkräftebildung sind hinsichtlich des emotionalen Erlebens und der Emotionsregulation von angehenden Lehrkräften vergleichsweise wenig erforscht. In Untersuchungen, die sich auf die Lehrkräftebildung beziehen, ist bisher wenig über potenziell emotionsauslösende berufliche Situationen außerhalb des Unterrichts bekannt. Zudem wurde die Vielschichtigkeit emotionalen Erlebens in diesen Phasen bislang unzureichend erfasst. Darüber hinaus existieren nur wenige Erkenntnisse über die Art und Weise, wie angehende Lehrkräfte mit ihren Emotionen in emotionsauslösenden beruflichen und privatberuflichen Situationen umgehen. Das Konzept der „privatberuflichen Situationen“ stellt einen neuen Ansatz dar, der auf den Erkenntnissen der im Rahmen dieser Dissertation präsentierten Studien basiert. Diese Situationen beziehen sich auf berufsbezogene Situationen außerhalb des regulären Arbeitsumfelds einer (angehenden) Lehrkraft. Beispiele privatberuflicher Situationen sind die Vorbereitung und Nachbereitung von Unterricht, das Ausarbeiten schriftlicher Unterrichtsplanungen und Ähnliches (Will, 2024).Die vorliegende Dissertation widmet sich den genannten Forschungsdesideraten und arbeitet diese in drei Beiträgen auf. Der erste Beitrag entstand im Kontext des Praxissemesters und untersuchte in einer digitalen fragegestützten Tagebuchstudie die Fragen: 1) Welche spezifischen emotionsauslösenden beruflichen und privatberuflichen Situationen erleben Praxissemesterstudierende in ihrem Alltag? 2) Welche Art von Emotionen – negativ oder positiv – erleben Praxissemesterstudierende in diesen spezifischen beruflichen und privatberuflichen Situationen? 3) Regulieren sie diese Emotionen situationsspezifisch? Der zweite Beitrag befasst sich mit ähnlichen Forschungsfragen, hierbei jedoch im Kontext des Vorbereitungsdienstes und somit in Bezug auf Lehramtsanwärter*innen. Als Forschungsmethode wurde die Experience-Sampling-Methode (ESM) eingesetzt. Für die Durchführung der ESM-Studie wurde eine Applikation zur Datenerfassung auf den Smartphones der Teilnehmen-den verwendet. Da diese Applikation üblicherweise für klinische Studien eingesetzt wird, wurde sie in Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister technisch weiterentwickelt und auf den Kontext der Lehrkräftebildung adaptiert sowie auf die Bedürfnisse der ESM-Studie abgestimmt. Die potenziell emotionsauslösenden Situationen, erlebten Emotionen und Emotionsregulationsstrategien der ersten Studie im Praxissemester dienten als Grundlage für die zweite Studie im Vorbereitungsdienst. Darüber hinaus wurden die potenziell emotionsauslösenden beruflichen und privatberuflichen Situationen in Absprache mit den Seminarleitungen der teilnehmenden Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) weiterentwickelt. Im Beitrag zur zweiten Studie werden die Befunde der beiden Kontexte gegenübergestellt. Folgende Forschungsfragen wurden dabei untersucht: 1) Wie bewerten angehende Lehrkräfte verschiedene, vorgegebene berufliche und privatberufliche Situationen im Praxissemester und Vorbereitungsdienst hinsichtlich ihrer emotionalen Valenz? 2) Welche Emotionen erleben angehende Lehrkräfte in diesen Situationen in beiden Untersuchungskontexten? 3) Welche Emotionsregulationsstrategie wenden angehende Lehrkräfte in diesen Situationen in beiden Untersuchungskontexten an? Der dritte Beitrag finalisiert die Dissertation und stellt die Konzeption, Durchführung, Auswertung und Evaluation eines selbstentwickelten Trainings für den Umgang mit Emotionen und belastenden Gedanken bei Lehramtsstudierenden vor. Das Training basiert auf den theoretisch-konzeptionellen Vorarbeiten und Annahmen sowie Erkenntnissen aus den ersten zwei Studien. Der dritte Beitrag befasst sich mit folgenden weiterführenden Forschungsfragen: 1) Welche Effekte hat ein Training auf die Tendenz zur Anwendung der gesundheitsfördernden Emotionsregulationsstrategie des kognitiven Neubewertens? 2) Inwiefern kann ein Training dazu beitragen, dysfunktionale Überzeugungen von Lehramtsstudierenden zu reduzieren? 3) Auf welche Akzeptanz stößt ein Training für den Umgang mit Emotionen und belastenden Gedanken bei Lehramtsstudierenden? AU - Will, Alexander CY - Paderborn DO - 10.17619/UNIPB/1-2246 DP - Universität Paderborn LA - ger N1 - Tag der Verteidigung: 09.04.2025 N1 - Kumulative Dissertation Universität Paderborn, Dissertation, 2025 PB - Veröffentlichungen der Universität PY - 2025 SP - 1 Online-Ressource (II, 59 Seiten) Diagramme T2 - Department 5: Wirtschaftspädagogik TI - Emotionen angehender Lehrkräfte: Explorationen des emotionalen Erlebens und der Emotionsregulation sowie Konzeption eines Trainings zur Förderung der kognitiven Neubewertung UR - https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:466:2-54577 Y2 - 2026-02-04T14:58:06 ER -