TY - THES AB - Nicht-übertragbare Erkrankungen stellen sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene eine große Herausforderung dar, da sie mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen für die Betroffenen sowie mit hohen Kosten für die Gesundheitssysteme verbunden sind. Daher sind kosteneffektive Maßnahmen zur Prävention und Behandlung dieser Erkrankungen erforderlich, um die Gesundheit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern und die Gesundheitssysteme zu entlasten. Da ein ungünstiger Lebensstil die Entwicklung von nichtübertragbaren Erkrankungen begünstigt, weisen lebensstilverändernde Interventionen ein beträchtliches Präventions- und Therapiepotenzial auf, das bisher jedoch nicht ausreichend ausgeschöpft wird. Vor diesem Hintergrund zielt die vorliegende Arbeit auf die Untersuchung der Wirksamkeit des communitybasierten Lebensstilprogramms „Healthy Lifestyle Community Program“ (HLCP-2) auf gesundheitsökonomische Parameter ab. In diesem Zusammenhang wurden 1.) die Einnahme und die damit verbundenen Kosten ausgewählter Medikamente zur Behandlung von nicht-übertragbaren Erkrankungen, 2.) die Kosten im Rahmen einer gesundheitsökonomischen Evaluation sowie 3.) die gesundheitsbezogene Lebensqualität analysiert. Die Studiendaten wurden im Rahmen von einer kontrollierten, nicht-randomisierten Interventionsstudie zur Verbesserung des Risikoprofils für nicht-übertragbare Erkrankungen erhoben. Eingeschlossen wurden insgesamt 187 erwachsene Personen, die entweder der Interventionsgruppe (n = 112) oder der Kontrollgruppe (n = 75) zugeordnet wurden. Über einen Zeitraum von 24 Monaten wurden zu sechs Messzeitpunkten (Baseline und nach zehn Wochen sowie sechs, 12, 18 und 24 Monaten; t0-t5) umfangreiche gesundheitsökonomische Parameter mithilfe von Fragebögen erhoben. Die Interventionsgruppe erhielt eine Lebensstilintervention, die sich aus einer zehnwöchigen Intensivphase mit zwei individuellen Gesundheitscoachings, einer thematisch aufeinander aufbauenden Seminarreihe und ergänzenden Workshops zusammensetzte. Die vier Schwerpunktthemen umfassten eine gesunde pflanzenbasierte Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, Stressbewältigung sowie soziale Unterstützung durch die Gemeinschaft. Im Anschluss erfolgte eine 22-monatige Follow-Up-Phase mit monatlichen Treffen zur Auffrischung der Inhalte. Die Kontrollgruppe erhielt keine Intervention. Die deskriptive Auswertung der Einnahme von antidiabetischen, antihypertensiven und lipidsenkenden Medikamenten ergab eine leichte Abnahme im Vergleich zum Baseline-Zeitpunkt in der Interventionsgruppe, während in der Kontrollgruppe ein kontinuierlicher Anstieg zu beobachten war. Die statistische Analyse ergab, dass die Medikamentenkosten in der Interventionsgruppe zu den letzten vier Messzeitpunkten (t2-t5) im Vergleich zum Ausgangszeitpunkt (t0) signifikant stärker als in der Kontrollgruppe reduziert werden konnten. Die gesundheitsökonomische Evaluation zeigte einen signifikanten Intergruppenunterschied in Bezug auf die Gesamtkosten nach zehn Wochen (t1) sowie sechs Monaten (t2) im Baseline-Vergleich (t0). Die direkten Kosten konnten in der Interventionsgruppe ebenfalls nach zehn Wochen (t1), 6 Monaten (t2) sowie 12 Monaten (t3) und die indirekten Kosten nach zehn Wochen (t1) und sechs Monaten (t2) im Vergleich zum Ausgangszeitpunkt (t0) signifikant stärker gesenkt werden als in der Kontrollgruppe. Auch die Untersuchung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität konnte einen positiven Effekt des HLCP-2 aufzeigen, indem die berichteten Probleme in verschiedenen Gesundheitsdimensionen in der Interventionsgruppe im Studienverlauf abnahmen. Zudem stieg der EQ-VAS, eine visuelle Analogskala zur Bewertung des aktuellen Gesundheitszustandes, in der Interventionsgruppe zu allen Messzeitpunkten (t1-t5) im Vergleich zur Baseline (t0) signifikant stärker an als in der Kontrollgruppe. Die dritte Messgröße der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, der EQ-5D-Index, zeigte eine tendenzielle Verbesserung Interventionsgruppe, die jedoch nicht signifikant stärker ausgeprägt war als in der Kontrollgruppe. Insgesamt konnte das Lebensstilinterventionprogramm HLCP-2 den Großteil der gesundheitsökonomischen Parameter moderat verbessern und insbesondere einem häufig altersbedingten Anstieg der Kostenfaktoren sowie einer Verschlechterung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität entgegenwirken. Zukünftig sollten groß angelegte gesundheitsökonomische Evaluationen von Lebensstilinterventionen durchgeführt werden, um die Aufmerksamkeit der Entscheidungsträgerinnen und -träger in der Politik und im Gesundheitssystem auf das Potenzial dieser Maßnahmen zur Prävention und Behandlung von NCDs sowie die damit einhergehenden Effekte auf die gesundheitsökonomischen Kosten und die gesundheitsbezogene Lebensqualität zu lenken. AU - Weber, Ragna-Marie CY - Paderborn DO - 10.17619/UNIPB/1-2340 DP - Universität Paderborn LA - ger N1 - Tag der Verteidigung: 26.06.2025 N1 - Universität Paderborn, Dissertation, 2025 PB - Veröffentlichungen der Universität PY - 2025 SP - 1 Online-Ressource (XI, 115 Seiten) Diagramme T2 - Department Sport & Gesundheit TI - Effekt einer community-basierten Lebensstilintervention auf die Verbesserung gesundheitsökonomischer Parameter in der Primär- und Sekundärprävention von lebensstilabhängigen Erkrankungen in ländlichen Populationen UR - https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:466:2-55569 Y2 - 2026-02-02T20:24:23 ER -