TY - THES AB - Wissen und Können wird von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Nicht alles aber, was die nachfolgende Generation von der vorherigen lernen kann, lässt sich extrahieren und in Schriftform manifestieren. Die United Nations Educational Scientific and Cultural Organization (UNESCO) würdigt mit der Liste des immateriellen Kulturerbes der Welt das überlieferte menschliche Wissen und Können. Bräuche, Handwerkstechniken, künstlerische Ausdrucksformen sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume erfahren durch die Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes eine besondere Aufmerksamkeit und einen damit verbundenen Wunsch diese zu erhalten und weiterzuentwickeln. Viele kulturelle Ausdrucksformen, die bereits auf der Liste verzeichnet sind, beinhalten musikalische Komponenten. Hierzu gehören Musikinstrumente als Produkt handwerklicher Fähigkeiten, Musik als Begleitung von Festen, Darbietungen und Brauchtumsveranstaltungen oder Musik als eigenständige Ausdrucksform. Wie der Funke aber von einer Generation zur nächsten überspringt, ist noch nicht so exakt und facettenreich beobachtet worden, wie in der vorliegenden Dissertation. Sie widmet sich der Frage, wie Wissen und Können in den Bereichen, in denen musikalisches, immaterielles Kulturerbe zum Ausdruck gebracht wird, von Generation zu Generation weitergegeben wird. Das »Instrumentale Laien- und Amateurmusizieren«, das die deutsche UNESCO-Kommission im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes führt, bietet das ideale Feld für diese Forschung. Auf dem theoretischen Fundament des symbolischen Interaktionismus und der Theorie sozialer Praktiken beleuchtet diese Dissertation mittels ethnografischer Forschungsmethodik den Weitergabeprozess am Beispiel des Instruments Gitarre. In Form einer ‚dichten Beschreibung‘ werden vierzehn beobachtete Unterrichtsstunden und ein Liveauftritt aufbereitet und analysiert. Die durchgeführte qualitative Inhaltsanalyse hat eine Strukturierung der beobachteten Phänomene nach den Kategorien Wissen, Können und Weitergeben ermöglicht. Es konnten vier tragende Säulen des Weitergabeprozesses identifiziert werden. Weitergabe ist (1) soziale Interaktion, (2) Hilfestellung geben, (3) Bewusstsein schaffen und (4) Interpretation. Zudem wurde die besondere Bedeutung des Klangs herausgearbeitet und die damit verbundenen Fähigkeit sich selbst und den Mitmusikern zuzuhören. In einer interdiziplinären Herangehensweise werden die Ergebnisse der Feldforschung Erklärungsansätzen aus den Erziehungswissenschaften, der Psychologie, den Neurowissenschaften, der Philosophie, der Soziologie, der Musikwissenschaft und der Musikethnologie gegenübergestellt. Für die Interpretation wird das ökosystemische Entwicklungsmodell von Bronfenbrenner als Vergrößerungsglas an die Ergebnisse der Analyse gelegt. Das Mikrosystem, in dem der Schüler* in Wechselwirkung mit Dozenten, Artefakten, Mitmusikern und Publikum steht, wird in das umgegebende Meso-, Exo- Makro- und Chronosystem eingebunden. Im Ergebnis bietet diese Arbeit durch die vorgenommenen Strukturierungen des Weitergabeprozesses einen analytischen Ansatz, um Mechanismen der Weitergabe impliziten Wissens zu betrachten und auch außerhalb von musikalischem, immateriellem Kulturerbe nutzbar zu machen. Forschende und Praktiker können so gezielt einzelne Säulen des Weitergabeprozesses in den Blick nehmen und die Systematik auf zukünftige Fragestellungen sowie Herausforderungen der nachhaltigen Weitergabe und Weiterentwicklung immateriellen Kulturerbes anwenden. Schlagwörter: Kulturerbe, Immaterielles Kulturerbe, Musik, UNESCO, Instrumentales Laien- und Amateurmusizieren, Symbolischer Interaktionismus, Praxeologie, Ethnografie, Dichte Beschreibung, Wissen, Können, Weitergeben, Weitergabeprozess, Kompetenz, Instrumentalpädagogik, Gitarre, Klang. [Fußnote: * Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Text das generische Maskulinum verwendet. Gemeint sind jedoch immer alle Geschlechter.] AU - Rettig, Lars CY - Paderborn DO - 10.17619/UNIPB/1-2439 DP - Universität Paderborn LA - ger N1 - Tag der Verteidigung: 25.04.2025 N1 - Universität Paderborn, Dissertation, 2025 PB - Veröffentlichungen der Universität PY - 2025 SP - 1 Online-Ressource (iv, 341 Seiten) : Illustrationen, Diagramme T2 - Historisches Institut TI - Immaterielles Kulturerbe: Weitergabe von musikalischem Wissen und Können UR - https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:466:2-56613 Y2 - 2026-01-12T23:45:41 ER -