TY - THES AB - Erklärungen spielen eine zentrale Rolle in alltäglichen persönlichen Gesprächen, indem sie den Wissensaustausch fördern, Ideen klären und das Verständnis unterstützen. In solchen Gesprächen versuchen die Erklärenden (d. h. die sachkundigere Person), das Verständnis der Explainees (d. h. die Person, die eine Erklärung erhält) durch Interaktionsprozesse wie Monitoring, Scaffolding und gemeinsame Konstruktion zu verbessern (Buschmeier et al., 2023; Rohlfing et al., 2021). Während gemeinsame Konstruktionen aus dem bidirektionalen (non-)verbalen Austausch zwischen den Gesprächspartnern entstehen, bezeichnet Scaffolding den Prozess, durch den die Erklärenden eine Erklärung anpassen, indem sie unterschiedliche Verhaltensweisen als Reaktion auf das Verhalten der Explainees einsetzen, welches deren kognitive Verarbeitung signalisiert (Wood et al., 1976). Monitoring bezeichnet einen kontinuierlichen Prozess, in dem die Gesprächspartner auf Wahrnehmungssignale wie (non-)verbale Verhaltensweisen achten, um Hinweise auf (Miss-)Verständnisse zu erkennen und zu interpretieren (Clark & Krych, 2004).In der vorliegenden Arbeit berichte ich über fünf Studien zu dyadischen Erklärungen zwischen Menschen und diskutiere anhand empirischer Befunde die Interaktionsdynamiken, die bestimmten Formen verbalen und nonverbalen Erklärungsverhaltens zugrunde liegen. Zu diesem Zweck analysierte ich in den vorgestellten Studien Daten aus zwei Videokorpora zu verschiedenen Bereichen alltäglicher Erklärungen, beispielsweise medizinischen Erklärungen und Brettspielerklärungen. Das Korpus zu medizinischen Erklärungen umfasst elf naturalistische Interaktionen zwischen Ärzten und Bezugspersonen über eine bevorstehende chirurgische Operation von Kindern. Das Korpus zu Brettspielerklärungen besteht aus 87 dyadischen Brettspielerklärungen, von denen eine Teilstichprobe von 24 Interaktionen in den vorgestellten Studien spezifisch untersucht wurde.Um das verbale Erklärungsverhalten zu untersuchen, analysierte ich in zwei Studien, die sich mit medizinischen Erklärungen und Brettspielerklärungen befassten, den Zusammenhang zwischen Themenwechseln in Erklärungen und dem multimodalen Verhalten der Explainees, das von den Erklärenden beobachtet wurde. Die Analyse medizinischer Erklärungen legt nahe, dass der Wechsel von Elaborationen zu neuen Themen mit dem multimodalen Verhalten der Explainees einhergeht, welches Blickabwendung, Kopfnicken und verbale Rückkopplung umfasst. Der Wechsel zu Elaborationen hingegen ist mit einer anhaltenden Blickrichtung verbunden, unabhängig davon, ob zusätzliche Signale vorhanden sind oder nicht (Lazarov et al., 2024). Eine nachfolgende Studie zu Brettspielerklärungen (Lazarov & Grimminger, in Begutachtung) erweiterte diese Analyse durch die Einbeziehung des Blickverhaltens der Erklärenden. Die Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen gegenseitigem Blickkontakt und Blickabwendung mit der Einleitung neuer Themen. Die Ergebnisse bestätigten die Ergebnisse aus dem medizinischen Kontext: Blickabwendungen der Explainees gehen Themenwechseln häufiger voraus als gegenseitiger Blickkontakt, was mit früheren Forschungsergebnissen von Rossano (2012, 2013) übereinstimmt. Die Analyse untersuchte zudem den Zusammenhang zwischen dem / der Gesprächspartner:in, der / die Blickabwendungen initiierte, und dem / der Gesprächspartner:in, der / die Themenwechsel initiierte.Um das nonverbale Erklärungsverhalten zu untersuchen, analysierte ich die Verwendung von sprachbegleitenden Gesten von verschiedenen Erklärenden in drei Studien zu Brettspielerklärungen, in denen das zu erklärende Objekt im gemeinsamen Referenzraum physisch nicht vorhanden war. Obwohl diese Abwesenheit ein fortwährendes Bedürfnis nach der Etablierung gemeinsamer imaginärer Räume impliziert (Kang et al., 2015; Kinalzik & Heller, 2021), beispielsweise durch kontinuierliches Zeigen auf unsichtbare Orte, zeigte die Studie von Lazarov & Grimminger (2025), dass Gestenikonizität und zeitliche Hervorhebung auch in Themen zu Objekteigenschaften, Handlungsprozessen und bedingten Regeln variabel auftreten.Motiviert durch die kontinuierliche Verwendung von der gestischen Deixis während der physischen Abwesenheit des Explanandums erforschten die letzten zwei Studien den kognitiven Mechanismus der Anpassung des Gebrauchs deiktischer Gesten in Bezug auf die Beobachtung des Verständnisses der Explainees. Unabhängig davon, ob die Erklärenden das Verständnis der Explainees in einer retrospektiven Video Recall Aufgabe interpretierten (Lazarov & Grimminger, 2024a) oder die verbalen Verständnissignale der Explainees wahrnahmen (Lazarov & Grimminger, 2024b), zeigten die Analysen, dass die Häufigkeit der gestischen Deixis während der Erklärungsphase, in der das Explanandum nicht im gemeinsamen Raum vorhanden war, stabil blieb. Zu den Ergebnissen der in dieser Dissertation präsentierten Studien diskutiere ich, wie die kontinuierliche Beobachtung des Feedbackverhaltens der Explainees Anpassungen sowohl im verbalen als auch im nonverbalen Erklärungsverhalten erläutern kann. Darüber hinaus verdeutlichen die von mir präsentierten Studien das Ausmaß der individuellen Variation innerhalb und zwischen den Erklärenden, von denen jeder / jede mit drei verschiedenen Explainees interagierte. AU - Lazarov, Stefan Teodorov CY - Paderborn DO - 10.17619/UNIPB/1-2446 DP - Universität Paderborn LA - eng N1 - Tag der Verteidigung: 11.09.2025 N1 - Kumulative Dissertation Universität Paderborn, Dissertation, 2025 PB - Veröffentlichungen der Universität PY - 2025 SP - 1 Online-Ressource (xii, 93 Seiten, Seite 258-280, 21 Seiten, Seite 4805-4812, 2 Seiten) : Diagramme T2 - Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft TI - The reflection of interactional monitoring in the dynamics of verbal and nonverbal forms of explaining UR - https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:466:2-56689 Y2 - 2026-02-22T23:46:37 ER -