TY - THES AB - Es scheint so, dass Jesus – anders als wir Heutigen das oft tun – körperliches, seelisches, soziales und spirituelles Heilwerden als unmittelbar zusammengehörig ansah. Die Erzählungen seines Wirkens vermitteln den Eindruck, dass eine Form der Heilung oft mit der anderen einher ging und dass die körperliche Heilung Ausdruck einer tieferen, umfassenderen Heilung sein konnte.Mit dem Eintauchen der christlichen Botschaft in den hellenistischen Kulturkreis wurde die Dichotomie von „Leib“ und „Seele“ bedeutsam für das Verständnis vom Menschsein, von „Heilung“ und „Heil“. Viele Jahrhunderte lang hat die platonisch geprägte Unterscheidung von Leib und Seele das europäische Denken über den Menschen dominiert – nicht nur in der Theologie und Philosophie, sondern ebenso in der Medizin und schließlich auch in der Psychotherapie.Die Entdeckungen der psychosomatischen Medizin, der Psychoneuroimmunologie, der Neurowissenschaften, der Genetik und Epigenetik haben diese Einteilung in Frage gestellt, wenn nicht sogar obsolet gemacht: Sie kommt als Grundlage eines modernen Menschenbildes kaum noch in Frage. Was Menschen heute mit Begriffen wie Körper, Psyche oder Bewusstsein bezeichnen, sind nicht zwei oder drei Systeme, sondern ein System, aus verschiedenen Blickwinkeln beschrieben.Für die Theologie ergeben sich aus der Reintegration der Konzepte von Leib und Seele viele Fragen, unter anderem die ganz praktische, wie eine Seelsorge aussehen kann, die zugleich Leibsorge ist, die also fernab der platonischen Trennung gleichzeitig auf Leib, Seele, soziale und spirituelle Existenz des Menschen blickt und den Menschen ganz und ungeteilt als heils- und heilungsbedürftig betrachtet.In verschiedenen Bereichen der Heilkunde hat sich hypnosystemische Therapie bewährt, um körperliche Leiden zu lindern. Inzwischen gibt es auch eine hypnosystemische Seelsorge, die sich für die heilende Wirkung von Worten interessiert. Die Arbeit widmet sich am Beispiel Tinnitus der Frage, ob ein solches, auch körperlich heilsames Herangehen, Teil von Seelsorge sein kann. Eine solche Integration wäre wohl jesuanisch in dem Sinne, dass Heilung und Heil, körperliches, seelisches und soziales Wohlergehen als Einheit behandelt werden.Als Beitrag zu einer Antwort möchte ich feststellen, ob es eine Evidenz dafür gibt, dass Worte, wie sie in der Seelsorge verwendet werden können, eine solche Wirkung haben und wie eine solche Veränderung in modernen, wissenschaftlichen Kategorien erfasst werden kann. Dafür habe ich ein experimentelles Design mit neurophysiologischen, biometrischen, stimm- und hörakustischen Messmethoden und geeigneten Fragebögen erstellt. Die Erhebung der quantitativen und qualitativen Daten dient dem Zweck, die Wirksamkeit hypnosystemischer Arbeit bei Tinnitus anhand objektiver Kriterien zu überprüfen und von hier aus zu überlegen, ob ein solches Vorgehen in eine hypnosystemische Seelsorge integriert werden kann. AU - Hammel, Stefan CY - Paderborn DO - 10.17619/UNIPB/1-2450 DP - Universität Paderborn LA - ger N1 - Tag der Verteidigung: 19.12.2025 N1 - Universität Paderborn, Dissertation, 2025 PB - Veröffentlichungen der Universität PY - 2025 SP - 1 Online-Ressource (163 Seiten) : Illustrationen, Diagramme T2 - Institut für Evangelische Theologie TI - Wer Ohren hat, der höre!: Hypnosystemische Seelsorge und Tinnitus UR - https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:466:2-56726 Y2 - 2026-01-12T11:33:55 ER -