TY - THES AB - In gegenwärtigen Diskursen zur universitären Vorbereitung von Studierenden auf den Lehrberuf rückt der Begriff der Demokratiebildung zunehmend in den Fokus. Neben der Frage, wie dieser Begriff definiert werden kann, geht es dabei auch um querschnittliche Professionalisierungsangebote mit Blick auf die rechtlich, bildungspolitisch und wissenschaftlich geforderte Aufgabe der schulischen Demokratiebildung für Lehramtsstudierende aller Unterrichtsfächer. Die vorliegende kumulative Dissertation greift diese Entwicklung anhand einer Untersuchung von Lehramtsstudierenden aus Nordrhein-Westfalen in vier empirischen Studien auf. Der Manteltext ordnet die vier Studien in einen übergeordneten theoretischen Rahmen ein. Dabei wird zunächst eine grundlegende schul- und demokratietheoretische Verortung vorgenommen, um darauf aufbauend eine Arbeitsdefinition des Begriffs Demokratiebildung auf Grundlage des Bildungsbegriffs nach Klafki, der kritisch-konstruktiven Didaktik sowie aktueller Begriffsinterpretationen von Demokratiebildung aus dem wissenschaftlichen Diskurs herzuleiten. In einem weiteren Schritt werden die mit dem Demokratiebildungsbegriff verknüpften rechtlichen und bildungspolitischen Vorgaben für Lehrkräfte aus Nordrhein-Westfalen herausgearbeitet, die Umsetzung von Demokratiebildung in deutschen Schulen aus der Perspektive von Lehrkräften auf Basis einschlägiger Studien referiert und schließlich der aktuelle Forschungsstand zur Vorbereitung von Lehramtsstudierenden auf die Aufgabe der schulischen Demokratiebildung dargestellt. Der eher marginale Forschungsstand zeigt – insbesondere mit einem querschnittlichen Blick auf Lehramtsstudierende ohne politikaffine Unterrichtsfächer – eine vergleichsweise geringe Thematisierung schulischer Demokratiebildung im Lehramtsstudium. Diese Ausgangslage unterstreicht die Relevanz der vorliegenden Dissertation. Die vier durchgeführten Studien orientieren sich am kompetenzorientierten Ansatz der Lehrkräftebildung. Sie liefern Erkenntnisse zum Einfluss individueller Merkmale von Lehramtsstudierenden sowie universitärer Lehr-Lern-Arrangements auf professionelle lehrberufliche Handlungskompetenzen zur methodischen Gestaltung von Demokratiebildungsprozessen. Die erste Studie widmet sich der Entwicklung von Kurzskalen zur Erfassung von Selbstwirksamkeitserwartungen im Hinblick auf die methodische Gestaltung eines gemeinschaftsorientierten und partizipativ-verfahrensorientierten Unterrichts. Die entwickelten Kurzskalen fokussieren dementsprechend fächerübergreifende motivationale Orientierungen der Lehramtsstudierenden als Bestandteile professioneller Handlungskompetenz zur methodischen Gestaltung von Demokratiebildung im Unterricht. Mit den Kurzskalen können Selbstwirksamkeitserwartungen von Lehramtsstudierenden zur unterrichtlichen Integration sozial-kollaborativ ausgerichteter Methoden und zur unterrichtlichen Integration und Reflexion demokratisch-partizipativer Verfahren – unabhängig vom Studienfach, von der studierten Schulform und vom Studienabschnitt – valide, reliabel und ökonomisch erhoben werden. Mit geringen Anpassungen ist ein Einsatz der Kurzskalen auch bei Referendar*innen und Lehrkräften möglich. Die zweite Studie untersucht das Verhältnis zwischen der politischen Involviertheit von Lehramtsstudierenden als individueller Lernvoraussetzung und Facetten der professionellen Handlungskompetenz zur methodischen Gestaltung von Demokratiebildungsprozessen im Unterricht. Die Ergebnisse zeigen, dass die erhobenen Aspekte der politischen Involviertheit (politisches Interesse, politische Selbstwirksamkeit und politische Beteiligungsbereitschaft) mit professionellen Handlungskompetenzen zur methodischen Gestaltung von Demokratiebildung im Unterricht zusammenhängen. Die politische Involviertheit von Lehramtsstudierenden sollte in universitären Lehr-Lern-Arrangements demnach stärker berücksichtigt werden (z.B. durch gezielte Gruppenzusammenstellungen). Zudem sollte den Lehramtsstudierenden in Lehrveranstaltungen mehr Raum zur Reflexion demokratischer Kompetenzen anhand eigener politischer Erfahrungen gegeben werden. Auch eine Verknüpfung demokratiebildender Themen im Lehramtsstudium mit außeruniversitären politischen und schulischen Akteur*innen im Rahmen von Kooperationsformaten erscheint auf Grundlage der Ergebnisse der Studie sinnvoll. Abschließend widmen sich die Studien 3 und 4 der Evaluation sowie den Effekten eines selbst entwickelten – flexibel in universitäre Lehrveranstaltungen integrierbaren – partizipativen Lehrmoduls zur Demokratiebildung im unterrichtsfachübergreifenden bildungswissenschaftlichen Teil des Lehramtsstudiums. Auf Grundlage qualitativer und quantitativer Daten zeigen die Ergebnisse die Wirksamkeit des Lehrmoduls in der Prozess- und Ergebnisdimension im Angebots-Nutzungs-Modell zur Erklärung hochschulischen Lehrens und Lernens. In der qualitativ ausgerichteten Studie 3 werden mit Blick auf die Prozessdimension hochschulischen Lernens studierendenseitig wahrgenommene Verknüpfungen zwischen den Anforderungen der im Lehrmodul eingesetzten Methoden und den Kompetenzen für eine demokratische Kultur aus dem Modell des Europarats ausgewertet. Hinsichtlich der Ergebnisdimension hochschulischen Lernens stehen hingegen unterrichtsbezogene Anwendungsbeispiele der im Lehrmodul durchgeführten Methoden im Fokus. Die Ergebnisse der dritten Studie zeigen, dass bei den beteiligten Studierenden eine gedankliche Verbindung zwischen Lehr- und Lernprozessen sowie demokratischen Kompetenzfacetten angeregt wurde. Zudem veranschaulichen die Ergebnisse einen Kenntniszuwachs bei den Studierenden hinsichtlich der Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen demokratischer Entscheidungsfindungsverfahren in ihrem zukünftigen Unterricht. In der quantitativ konzipierten Studie 4 werden schließlich Effekte des Lehrmoduls auf Selbstwirksamkeitserwartungen zur methodischen Gestaltung eines gemeinschaftsorientierten und partizipativ-verfahrensorientierten Unterrichts sowie auf das selbst eingeschätzte methodische Wissen zur demokratischen Erarbeitung von Beurteilungskriterien im Unterricht untersucht. Die Untersuchung erfolgt in einem Kontrollgruppendesign mit drei Messzeitpunkten (Pre-, Post- und Follow-Up-Erhebung). Die Ergebnisse zeigen, dass sich mithilfe des Lehrmoduls auch in Lehrveranstaltungen mit Studierenden unterschiedlicher Fachhintergründe und bei zeitlich vergleichsweise kurzer Intervention beachtliche Effekte hinsichtlich des demokratiebildungsbezogenen methodischen Wissens sowie demokratiebildungsbezogener motivationaler Orientierungen erzielen lassen. Zusammenfassend liefert die vorliegende Dissertation Befunde zur Erfassung, Beschreibung und Veränderung von Facetten der professionellen Handlungskompetenz von Lehramtsstudierenden für die Aufgabe der schulischen Demokratiebildung mit einem Fokus auf der methodischen Gestaltung unterrichtlicher Lehr-Lern-Arrangements. Sie erweitert den Forschungsstand, indem theoretische Begründungen und empirische Erkenntnisse zur Angebots-, Nutzungs- und Ergebnisdimension sowie zu individuellen Voraussetzungen hochschulischen Lehrens und Lernens zum Thema Demokratiebildung im Lehramtsstudium erarbeitet werden. Somit kann die Dissertation als wissenschaftlicher Beitrag zur querschnittlich angelegten Professionalisierung von Lehramtsstudierenden für die Aufgabe der schulischen Demokratiebildung eingeordnet werden. AU - Wehde, Janis CY - Paderborn DO - 10.17619/UNIPB/1-2629 DP - Universität Paderborn LA - ger N1 - Tag der Verteidigung: 05.12.2025 N1 - kumulative Dissertation Universität Paderborn, Dissertation, 2025 PB - Veröffentlichungen der Universität PY - 2026 SP - 1 Online-Ressource (IV, 62 Seiten) : Illustrationen T2 - Fakultät für Kulturwissenschaften TI - Empirische Studien zur Demokratiebildung im Lehramtsstudium in Nordrhein-Westfalen UR - https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:466:2-58662 Y2 - 2026-07-03T09:09:40 ER -