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Zusammenfassung

Der Begriff des 'Ganzen' spielt für zahlreiche ästhetische Konzepte des 18. und 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Die Musikwissenschaft hat ihn bisher nur unzureichend thematisiert. Sie erwähnt ihn vor allem im Zusammenhang mit der Werkästhetik, setzt sich dabei aber nicht mit den unterschiedlichen Bedeutungen auseinander, die er in den zeitgenössischen Texten annehmen konnte. Die vorliegende Arbeit widmet sich der Ideengeschichte ästhetischer Ganzheit von Rameau bis Hanslick. Sie unterscheidet sechs Arten und Aspekte ihres semantischen Gehalts (formale, rezeptive und inhaltliche Ganzheit sowie teleologische Unabhängigkeit, ontische Dauerhaftigkeit und epistemische Transzendenz), verfolgt ihre Entwicklungen und analysiert ihre Verhältnisse zu verschiedenen ästhetischen Konzepten des 18. und 19. Jahrhunderts (Werkästhetik, das Schöne, das Erhabene, Autonomieästhetik, absolute Musik, Romantik). Der letzte Teil der Arbeit untersucht die Bedeutung der sechs Arten und Aspekte ästhetischer Ganzheit in der modernen Philosophie und reflektiert ihre Berechtigung. Die Ergebnisse der Dissertation erlauben nicht nur einen differenzierteren Umgang mit den ästhetischen Entwicklungen des 18. und 19. Jahrhunderts im Hinblick auf einen ihrer nur scheinbar leicht zu durchschauenden Kernbegriffe, sondern erweitern auch den Reflexionshorizont jedes Kunstinteressierten im theoretischen und praktischen Umgang mit Kunstwerken aller Art.

Abstract

The notion of 'the whole' or 'wholeness' ('das Ganze'/'Ganzheit') looms large in many aesthetic concepts of the 18th and 19th centuries. As of yet, musicology has credited wholeness as an integral part of work aesthetics, but did not consider it worthy of in-depth analysis. In the present study, I examine the history of the idea of the aesthetically whole from Rameau to Hanslick. I distinguish six kinds and aspects of aesthetic wholeness that can be found in the historic texts, namely: formal, perceptive, and contentual wholeness, teleological independence, ontological permanence, and epistemic transcendence. I trace their individual developments, analyse their relationships to prominent aesthetic ideas of the 18th and 19th centuries (namely: work aesthetics, the beautiful, the sublime, autonomy aesthetics, absolute music, romanticism), and exhibit the conceptual breadth of the allegedly well-known 'whole'. The study's last part examines aspects of aesthetic wholeness in current and recent philosophies of music. My findings underline the importance of terminological differentiation in historical musicology, and especially in the history of aesthetics. They create new perspectives on 18th and 19th century aesthetics and broaden the reflective horizons of both artists and audiences alike.

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