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Zusammenfassung

Visuell-perspektivische Fähigkeiten gelten als Vorläufer einer Theorie des Geistes, das heißt, sie sind Voraussetzung für eine soziale Kognition. In ihrem zweiten Lebensjahr lernen Kleinkinder in vielfältigen sozialen Kontexten, die nicht nur die direkte Interaktion mit einem Kommunikationspartner (Dyade) einschließt, sondern auch die Beobachtung anderer (Triade). Vor allem schüchterne Kinder zeichnen sich durch beobachtendes Verhalten aus, was häufig mit einem frühen Verständnis sozialer Kognition assoziiert ist. Forschungserkenntnisse zur frühen sozialen Kognition wie der visuellen Perspektivübernahme Level 1 (Level 1 visual perspective-taking [VPT-1]) existieren diesbezüglich nicht. Ebenso unbeantwortet ist die Frage, welche soziale Lernkonstellation zur Förderung der VPT-1 beiträgt. In dieser Forschungsarbeit werden 18-20-Monatige in unterschiedlichen sozialen Kontexten trainiert, in denen ihnen zu zwei Zeitpunkten perspektivischer Wechsel auf Handlungsebene (Imitation mit Rollentausch), teils angereichert durch deiktische Wörter, präsentiert wird. Vor und nach der Intervention werden die Kleinkinder auf ihre Fähigkeiten der VPT-1 getestet. Zusätzlich wird der Einfluss eines schüchternen Temperamentes auf den Lerneffekt untersucht. Die Ergebnisse deuten in die Richtung, dass sich ein sozialer Kontext durch Beobachtung lernförderlich auf ein Verständnis des perspektivischen Wechsels auswirkt. Die Trainierbarkeit der VPT-1 zeigt sich in einem Untertest als Zuwachs perspektivischer Fähigkeiten vom Prä- zum Post-Test, sofern die trainierten Kinder mit einer Kontrollgruppe ohne Perspektivtraining verglichen werden. Eine positive Tendenz besteht zwischen dem Grad der Schüchternheit und dem der VPT-1 in einer in einer kooperativen Perspektivaufgabe, was insbesondere für die Triade gilt.

Abstract

Visual perspective-taking is considered a precursor of a Theory of Mind [ToM], i.e. a prerequisite for social cognition. In their second year of life, toddlers learn in a variety of social contexts, which includes not only direct interaction with a communication partner (dyad) but also the observation of others (triad). Shy children in particular are characterized by increased observational behavior, which is often associated with an early understanding of social cognition. Research findings on early social cognition such as Level 1 visual perspective-taking [VPT-1] do not exist in this regard. Also unanswered is the question of which social learning constellation contributes to the promotion of VPT-1. In this research project, 18-20-month-olds are trained in different social contexts, in which they are presented with perspective shifts on an action level (role reversal imitation) at two points, partly enriched by deictic words. Before and after training, their VPT-1 abilities are tested. In addition, the influence of shyness on the learning effect is examined. The results point in the direction that training in an observational context (triad) promotes an understanding of perspective shifts. The trainability of VPT-1 becomes only manifest in a subtest: An increase in perspective-taking from pre-test to post-test when trained children are compared to a nonspecifically trained control group. A positive tendency between level of shyness and that of VPT-1 could be detected in a cooperative perspective-taking task, which is particularly true for the observational learning context (triad).

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