Titelaufnahme
Titelaufnahme
- TitelImmaterielles Kulturerbe : Weitergabe von musikalischem Wissen und Können / von Lars Rettig ; Betreuerin Prof. Dr. Eva-Maria Seng
- Autor
- Gutachter
- Erschienen
- Umfang1 Online-Ressource (iv, 341 Seiten) : Illustrationen, Diagramme
- HochschulschriftUniversität Paderborn, Dissertation, 2025
- AnmerkungTag der Verteidigung: 25.04.2025
- Verteidigung2025-04-25
- SpracheDeutsch
- DokumenttypDissertation
- Schlagwörter (GND)
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Klassifikation
Zusammenfassung
Wissen und Können wird von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Nicht alles aber, was die nachfolgende Generation von der vorherigen lernen kann, lässt sich extrahieren und in Schriftform manifestieren. Die United Nations Educational Scientific and Cultural Organization (UNESCO) würdigt mit der Liste des immateriellen Kulturerbes der Welt das überlieferte menschliche Wissen und Können. Bräuche, Handwerkstechniken, künstlerische Ausdrucksformen sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume erfahren durch die Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes eine besondere Aufmerksamkeit und einen damit verbundenen Wunsch diese zu erhalten und weiterzuentwickeln. Viele kulturelle Ausdrucksformen, die bereits auf der Liste verzeichnet sind, beinhalten musikalische Komponenten. Hierzu gehören Musikinstrumente als Produkt handwerklicher Fähigkeiten, Musik als Begleitung von Festen, Darbietungen und Brauchtumsveranstaltungen oder Musik als eigenständige Ausdrucksform. Wie der Funke aber von einer Generation zur nächsten überspringt, ist noch nicht so exakt und facettenreich beobachtet worden, wie in der vorliegenden Dissertation. Sie widmet sich der Frage, wie Wissen und Können in den Bereichen, in denen musikalisches, immaterielles Kulturerbe zum Ausdruck gebracht wird, von Generation zu Generation weitergegeben wird. Das »Instrumentale Laien- und Amateurmusizieren«, das die deutsche UNESCO-Kommission im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes führt, bietet das ideale Feld für diese Forschung. Auf dem theoretischen Fundament des symbolischen Interaktionismus und der Theorie sozialer Praktiken beleuchtet diese Dissertation mittels ethnografischer Forschungsmethodik den Weitergabeprozess am Beispiel des Instruments Gitarre. In Form einer ‚dichten Beschreibung‘ werden vierzehn beobachtete Unterrichtsstunden und ein Liveauftritt aufbereitet und analysiert. Die durchgeführte qualitative Inhaltsanalyse hat eine Strukturierung der beobachteten Phänomene nach den Kategorien Wissen, Können und Weitergeben ermöglicht. Es konnten vier tragende Säulen des Weitergabeprozesses identifiziert werden. Weitergabe ist (1) soziale Interaktion, (2) Hilfestellung geben, (3) Bewusstsein schaffen und (4) Interpretation. Zudem wurde die besondere Bedeutung des Klangs herausgearbeitet und die damit verbundenen Fähigkeit sich selbst und den Mitmusikern zuzuhören. In einer interdiziplinären Herangehensweise werden die Ergebnisse der Feldforschung Erklärungsansätzen aus den Erziehungswissenschaften, der Psychologie, den Neurowissenschaften, der Philosophie, der Soziologie, der Musikwissenschaft und der Musikethnologie gegenübergestellt. Für die Interpretation wird das ökosystemische Entwicklungsmodell von Bronfenbrenner als Vergrößerungsglas an die Ergebnisse der Analyse gelegt. Das Mikrosystem, in dem der Schüler* in Wechselwirkung mit Dozenten, Artefakten, Mitmusikern und Publikum steht, wird in das umgegebende Meso-, Exo- Makro- und Chronosystem eingebunden. Im Ergebnis bietet diese Arbeit durch die vorgenommenen Strukturierungen des Weitergabeprozesses einen analytischen Ansatz, um Mechanismen der Weitergabe impliziten Wissens zu betrachten und auch außerhalb von musikalischem, immateriellem Kulturerbe nutzbar zu machen. Forschende und Praktiker können so gezielt einzelne Säulen des Weitergabeprozesses in den Blick nehmen und die Systematik auf zukünftige Fragestellungen sowie Herausforderungen der nachhaltigen Weitergabe und Weiterentwicklung immateriellen Kulturerbes anwenden. Schlagwörter: Kulturerbe, Immaterielles Kulturerbe, Musik, UNESCO, Instrumentales Laien- und Amateurmusizieren, Symbolischer Interaktionismus, Praxeologie, Ethnografie, Dichte Beschreibung, Wissen, Können, Weitergeben, Weitergabeprozess, Kompetenz, Instrumentalpädagogik, Gitarre, Klang. [Fußnote: * Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Text das generische Maskulinum verwendet. Gemeint sind jedoch immer alle Geschlechter.]
Abstract
Knowledge and skills are passed down from one generation to the next. However, not everything that the next generation can learn from the previous one can be extracted and put into writing. The United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) recognises traditional human knowledge and skills with its list of intangible cultural heritage. Customs, craft techniques, artistic forms of expression and the associated instruments, objects, artefacts and cultural spaces receive special attention through their inclusion in the list of intangible cultural heritage, and with it a desire to preserve and develop them. Many cultural expressions already included on the list contain musical components. These are comprised of musical instruments as products of craftsmanship, music as accompaniment to festivals, performances and traditional events, and music as an independent form of expression. However, how this spark ignites from one generation to the next has not yet been observed as precisely and comprehensively as in this dissertation. It addresses the question of how knowledge and skills in areas where musical, intangible cultural heritage is expressed are passed on from generation to generation. ‘Instrumental amateur music-making’, which is listed by the German UNESCO Commission in the nationwide register of intangible cultural heritage, provides the ideal field for this research. Based on the theoretical foundations of symbolic interactionism and theory of social practices, this dissertation uses ethnographic research methods to examine the process of knowledge transfer using the guitar as an example. Fourteen observed lessons and one live performance are edited and analysed in the form of a ‘thick description’. The qualitative content analysis carried out has enabled the observed phenomena to be structured according to the categories of knowledge, competency and transmission. Four pillars of the process of transmission were identified. Transmission is (1) social interaction, (2) providing assistance, (3) creating awareness and (4) interpretation. In addition, the special significance of sound was highlighted, along with the associated ability to listen to oneself and fellow musicians. In an interdisciplinary approach, the results of field research are compared with explanatory approaches from educational science, psychology, neuroscience, philosophy, sociology, musicology and ethnomusicology. For interpretation, Bronfenbrenner's ecological systems theory is applied as a magnifying glass to the results of the analysis. The microsystem in which the student interacts with lecturers, artefacts, fellow musicians and the audience is integrated into the surrounding meso-, exo-, macro- and chronosystem. As a result, this work offers an analytical approach to examining mechanisms of tacit knowledge transfer and making them usable outside of musical, intangible cultural heritage through the structuring of the transfer process. Researchers and practitioners can thus focus on individual pillars of the transmission process and apply the system to future questions and challenges of sustainable transmission and further development of intangible cultural heritage. Keywords: cultural heritage, intangible cultural heritage, music, UNESCO, instrumental amateur music-making, symbolic interactionism, praxeology, ethnography, thick description, knowledge, competency, skill, transmission, transmission process, instrumental pedagogy, guitar, sound.
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