Titelaufnahme
Titelaufnahme
- TitelEmpirische Studien zur Demokratiebildung im Lehramtsstudium in Nordrhein-Westfalen / von Janis Wehde ; Erstgutachterin: Professorin Dr. Bea Bloh, Zweitgutachterin: Professorin Dr. Stefanie van Ophuysen
- Autor
- Gutachter
- Erschienen
- Umfang1 Online-Ressource (IV, 62 Seiten) : Illustrationen
- Hochschulschriftkumulative Dissertation Universität Paderborn, Dissertation, 2025
- AnmerkungTag der Verteidigung: 05.12.2025
- Verteidigung2025-12-05
- SpracheDeutsch
- DokumenttypDissertation
- Schlagwörter (GND)
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Zusammenfassung
In gegenwärtigen Diskursen zur universitären Vorbereitung von Studierenden auf den Lehrberuf rückt der Begriff der Demokratiebildung zunehmend in den Fokus. Neben der Frage, wie dieser Begriff definiert werden kann, geht es dabei auch um querschnittliche Professionalisierungsangebote mit Blick auf die rechtlich, bildungspolitisch und wissenschaftlich geforderte Aufgabe der schulischen Demokratiebildung für Lehramtsstudierende aller Unterrichtsfächer. Die vorliegende kumulative Dissertation greift diese Entwicklung anhand einer Untersuchung von Lehramtsstudierenden aus Nordrhein-Westfalen in vier empirischen Studien auf. Der Manteltext ordnet die vier Studien in einen übergeordneten theoretischen Rahmen ein. Dabei wird zunächst eine grundlegende schul- und demokratietheoretische Verortung vorgenommen, um darauf aufbauend eine Arbeitsdefinition des Begriffs Demokratiebildung auf Grundlage des Bildungsbegriffs nach Klafki, der kritisch-konstruktiven Didaktik sowie aktueller Begriffsinterpretationen von Demokratiebildung aus dem wissenschaftlichen Diskurs herzuleiten. In einem weiteren Schritt werden die mit dem Demokratiebildungsbegriff verknüpften rechtlichen und bildungspolitischen Vorgaben für Lehrkräfte aus Nordrhein-Westfalen herausgearbeitet, die Umsetzung von Demokratiebildung in deutschen Schulen aus der Perspektive von Lehrkräften auf Basis einschlägiger Studien referiert und schließlich der aktuelle Forschungsstand zur Vorbereitung von Lehramtsstudierenden auf die Aufgabe der schulischen Demokratiebildung dargestellt. Der eher marginale Forschungsstand zeigt – insbesondere mit einem querschnittlichen Blick auf Lehramtsstudierende ohne politikaffine Unterrichtsfächer – eine vergleichsweise geringe Thematisierung schulischer Demokratiebildung im Lehramtsstudium. Diese Ausgangslage unterstreicht die Relevanz der vorliegenden Dissertation. Die vier durchgeführten Studien orientieren sich am kompetenzorientierten Ansatz der Lehrkräftebildung. Sie liefern Erkenntnisse zum Einfluss individueller Merkmale von Lehramtsstudierenden sowie universitärer Lehr-Lern-Arrangements auf professionelle lehrberufliche Handlungskompetenzen zur methodischen Gestaltung von Demokratiebildungsprozessen. Die erste Studie widmet sich der Entwicklung von Kurzskalen zur Erfassung von Selbstwirksamkeitserwartungen im Hinblick auf die methodische Gestaltung eines gemeinschaftsorientierten und partizipativ-verfahrensorientierten Unterrichts. Die entwickelten Kurzskalen fokussieren dementsprechend fächerübergreifende motivationale Orientierungen der Lehramtsstudierenden als Bestandteile professioneller Handlungskompetenz zur methodischen Gestaltung von Demokratiebildung im Unterricht. Mit den Kurzskalen können Selbstwirksamkeitserwartungen von Lehramtsstudierenden zur unterrichtlichen Integration sozial-kollaborativ ausgerichteter Methoden und zur unterrichtlichen Integration und Reflexion demokratisch-partizipativer Verfahren – unabhängig vom Studienfach, von der studierten Schulform und vom Studienabschnitt – valide, reliabel und ökonomisch erhoben werden. Mit geringen Anpassungen ist ein Einsatz der Kurzskalen auch bei Referendar*innen und Lehrkräften möglich. Die zweite Studie untersucht das Verhältnis zwischen der politischen Involviertheit von Lehramtsstudierenden als individueller Lernvoraussetzung und Facetten der professionellen Handlungskompetenz zur methodischen Gestaltung von Demokratiebildungsprozessen im Unterricht. Die Ergebnisse zeigen, dass die erhobenen Aspekte der politischen Involviertheit (politisches Interesse, politische Selbstwirksamkeit und politische Beteiligungsbereitschaft) mit professionellen Handlungskompetenzen zur methodischen Gestaltung von Demokratiebildung im Unterricht zusammenhängen. Die politische Involviertheit von Lehramtsstudierenden sollte in universitären Lehr-Lern-Arrangements demnach stärker berücksichtigt werden (z.B. durch gezielte Gruppenzusammenstellungen). Zudem sollte den Lehramtsstudierenden in Lehrveranstaltungen mehr Raum zur Reflexion demokratischer Kompetenzen anhand eigener politischer Erfahrungen gegeben werden. Auch eine Verknüpfung demokratiebildender Themen im Lehramtsstudium mit außeruniversitären politischen und schulischen Akteur*innen im Rahmen von Kooperationsformaten erscheint auf Grundlage der Ergebnisse der Studie sinnvoll. Abschließend widmen sich die Studien 3 und 4 der Evaluation sowie den Effekten eines selbst entwickelten – flexibel in universitäre Lehrveranstaltungen integrierbaren – partizipativen Lehrmoduls zur Demokratiebildung im unterrichtsfachübergreifenden bildungswissenschaftlichen Teil des Lehramtsstudiums. Auf Grundlage qualitativer und quantitativer Daten zeigen die Ergebnisse die Wirksamkeit des Lehrmoduls in der Prozess- und Ergebnisdimension im Angebots-Nutzungs-Modell zur Erklärung hochschulischen Lehrens und Lernens. In der qualitativ ausgerichteten Studie 3 werden mit Blick auf die Prozessdimension hochschulischen Lernens studierendenseitig wahrgenommene Verknüpfungen zwischen den Anforderungen der im Lehrmodul eingesetzten Methoden und den Kompetenzen für eine demokratische Kultur aus dem Modell des Europarats ausgewertet. Hinsichtlich der Ergebnisdimension hochschulischen Lernens stehen hingegen unterrichtsbezogene Anwendungsbeispiele der im Lehrmodul durchgeführten Methoden im Fokus. Die Ergebnisse der dritten Studie zeigen, dass bei den beteiligten Studierenden eine gedankliche Verbindung zwischen Lehr- und Lernprozessen sowie demokratischen Kompetenzfacetten angeregt wurde. Zudem veranschaulichen die Ergebnisse einen Kenntniszuwachs bei den Studierenden hinsichtlich der Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen demokratischer Entscheidungsfindungsverfahren in ihrem zukünftigen Unterricht. In der quantitativ konzipierten Studie 4 werden schließlich Effekte des Lehrmoduls auf Selbstwirksamkeitserwartungen zur methodischen Gestaltung eines gemeinschaftsorientierten und partizipativ-verfahrensorientierten Unterrichts sowie auf das selbst eingeschätzte methodische Wissen zur demokratischen Erarbeitung von Beurteilungskriterien im Unterricht untersucht. Die Untersuchung erfolgt in einem Kontrollgruppendesign mit drei Messzeitpunkten (Pre-, Post- und Follow-Up-Erhebung). Die Ergebnisse zeigen, dass sich mithilfe des Lehrmoduls auch in Lehrveranstaltungen mit Studierenden unterschiedlicher Fachhintergründe und bei zeitlich vergleichsweise kurzer Intervention beachtliche Effekte hinsichtlich des demokratiebildungsbezogenen methodischen Wissens sowie demokratiebildungsbezogener motivationaler Orientierungen erzielen lassen. Zusammenfassend liefert die vorliegende Dissertation Befunde zur Erfassung, Beschreibung und Veränderung von Facetten der professionellen Handlungskompetenz von Lehramtsstudierenden für die Aufgabe der schulischen Demokratiebildung mit einem Fokus auf der methodischen Gestaltung unterrichtlicher Lehr-Lern-Arrangements. Sie erweitert den Forschungsstand, indem theoretische Begründungen und empirische Erkenntnisse zur Angebots-, Nutzungs- und Ergebnisdimension sowie zu individuellen Voraussetzungen hochschulischen Lehrens und Lernens zum Thema Demokratiebildung im Lehramtsstudium erarbeitet werden. Somit kann die Dissertation als wissenschaftlicher Beitrag zur querschnittlich angelegten Professionalisierung von Lehramtsstudierenden für die Aufgabe der schulischen Demokratiebildung eingeordnet werden.
Abstract
In current discourses on the preparation of students for the teaching profession, the concept of democratic education is increasingly coming into focus. In addition to the question of how this concept can be defined, these discourses also address cross-subject professionalization opportunities for teacher students with regard to the legally, politically, and scientifically mandated task of democratic education in schools. This dissertation takes up this development by examining teacher students from North Rhine-Westphalia in four empirical studies. The framework paper places the four studies within an overarching theoretical context. It begins by establishing a fundamental theoretical grounding in school and democracy theory, upon which it derives a working definition of the concept of democratic education based on Klafki’s concept of Bildung, critical-constructive didactics, and current interpretations of democratic education from scientific discourse. In a further step, the legal and policy guidelines for teachers in North Rhine-Westphalia associated with the concept of democratic education are identified; the implementation of democratic education in German schools from the perspective of teachers is reported on the basis of recent studies; and, finally, the current state of research on the preparation of teacher students for the task of democratic education in schools is presented. The rather limited state of research shows – particularly when taking a cross-sectional view of teacher candidates who do not teach subjects related to politics – that democratic education in schools is addressed to a comparatively small extent in university. This situation highlights the relevance of the present dissertation. The four studies are based upon the competence-oriented approach in teacher education. They provide insights into the influence of individual characteristics of teacher students, as well as university-level teaching and learning arrangements, on professional teaching competencies related to the methodological design of democratic education. The first study focuses on the development of short scales to measure self-efficacy beliefs with regard to the methodological design of community-oriented and participatory-process-oriented teaching. Accordingly, the short scales concentrate on the interdisciplinary motivational orientations of teacher students as components in their professional competence for the methodological design of democracy education in the classroom. Using these short scales, teacher students’ self-efficacy beliefs regarding the integration of socially collaborative methods into teaching and the integration and reflection on democratic-participatory procedures – regardless of their field of study, the type of school they are studying, or their stage of study – can be assessed in a valid, reliable, and efficient manner. With minor adjustments, the short scales can also be used with trainee teachers and teachers in practice. The second study examines the relationship between teacher students’ political involvement as an individual prerequisite for learning and aspects of professional competence in the methodological design of democratic education in the classroom. The results show that the aspects of political involvement surveyed (political interest, political self-efficacy, and willingness to participate in politics) are correlated with professional competencies for the methodological design of democratic education in the classroom. Accordingly, the political engagement of teacher students should be given greater consideration in university teaching (e.g., through carefully selected group combinations). In addition, teacher students should be given more space in courses to reflect on democratic competencies based on their own political experiences. Based on the study’s findings, it also appears reasonable to link topics of democratic education in teacher education programs with non-university political and school stakeholders through collaborative initiatives. Studies 3 and 4 evaluate and examine the effects of a self-developed participatory teaching module on democratic education – which can be flexibly integrated into university courses – within the subject-independent educational science component of the teaching degree programs in higher education. Based on qualitative and quantitative data, the results demonstrate the teaching module's effectiveness in terms of process and outcomes within the supply-and-demand model used to explain teaching and learning in higher education. In the qualitative Study 3, student-perceived links between the requirements of the methods used in the teaching module and the competencies for a democratic culture derived from the Council of Europe model are analyzed with regard to the process dimension of higher education learning. With regard to the outcome dimension of higher education learning, however, the analysis focuses on classroom-based examples of how the methods implemented in the teaching module were applied by students. The results show that the participating students were stimulated to make a conceptual connection between teaching and learning processes and aspects of democratic competence. Furthermore, the results illustrate an increase in the students’ knowledge with regard to possible applications and limitations of democratic decision-making procedures in their future teaching. Finally, quantitative study 4 examines the effects of the teaching module on students’ self-efficacy beliefs with regard to the methodological design of community-oriented and participatory-process-oriented teaching, as well as on their self-assessed methodological knowledge regarding the democratic development of assessment criteria in the classroom. The study is conducted using a control group design with three measurement points (pre-, post-, and follow-up survey). The results show that, even in courses with students from diverse subject backgrounds and with a relatively short intervention period, the teaching module can achieve significant effects in terms of methodological knowledge related to democratic education as well as motivational orientations related to democratic education. In summary, this dissertation presents findings on the identification, description, and development of aspects of teacher students’ professional competence for the task of democratic education in schools, with a focus on the methodological design of teaching and learning arrangements in the classroom. It expands the current state of research by developing theoretical foundations and empirical findings regarding to the supply, use, and outcome dimensions of higher education teaching and learning, as well as students’ individual prerequisites on the topic of democratic education. Thus, the dissertation can be viewed as a scientific contribution to the professional development of teacher students for the task of democratic education in schools.
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